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Abwesenheitsnotiz

Wer hätte das gedacht: Nachdem sie wochenlang getagt hat, um kleine Meinungsunterschiede herauszufinden, damit keiner auf die Idee kommen könnte, wir lebten nun in einem Einparteisystem, fängt die XXL-Koalition mit ganz neuen Tönen an. So erklärt die Arbeitsministerin Nahles der Bild-Zeitung: „Wir müssen Vollzeit neu definieren. Mit dem Anwesenheitswahn muss Schluss sein“. Donnerwetter, das klingt wie eine späte Anerkennung der Glücklichen Arbeitslosen! Sicherlich ist das bloß eine unverbindliche Aussage. Es kostet nichts, „eine neue Arbeitskultur in den Unternehmen“ zu verlangen; keiner Regierung steht zu, sich in die Hausordnung der Privatwirtschaft einzumischen. Außerdem wird die scheinradikale Parole gleich mit einem erbärmlich biederen Beispiel illustriert: “Dann ist es möglich, dass Papa oder Mama auch mal nachmittags nach Hause gehen, wenn sie das Krippenspiel ihres Kindes anschauen wollen.” Welcher Christdemokrat würde sich da nicht gerührt fühlen?

Nichtsdestotrotz: Nutzen wir diese weise Parole, um unser Recht auf Abwesenheit einzufordern! Wir Abgelenkte, Geistesabwesende, Schwänzer, Blaumacher, Zerstreute und Verträumte aller Couleur wurden viel zu lange diskriminiert. Dabei sein ist nicht alles. Nicht bei der Sache sein ist auch eine gute Sache. Wir lassen uns entschuldigen.